Burschenschaften, Identitäre, AfD – in Tübingen wie selbstverständlich an einem Tisch

Vor einigen Wochen versuchte der AfD-Direktkandidat für die Bundestagswahl 2017, Dubravko Mandic, abends ins Epplehaus (einem städtischen Jugendzentrum in Selbstverwaltung) zu gelangen. Da sich dieses eindeutig antirassistisch und antifaschistisch positioniert, wanderte er unmittelbar wieder nach draußen; seine Mitstreiter (etwa IB-Schwaben-Aktivist Jonathan Rudolph) gelangten gar nicht erst hinein. Die Provokation war natürlich geplant; Mandic inszenierte sich später in einem „offenen Brief“ auf Facebook, der an den Tübinger Oberbürgermeister Boris „Antirassismus-ist-eine-intolerante-Ideologie“ Palmer als der rechtschaffene, unbescholtene Bürger, der noch nur im städtischen Jugendhaus „nach dem Rechten“ sehen wolle.

Ganz abgesehen davon, dass für uns unsere Solidarität mit dem Epplehaus außer Frage steht (<3), ist dies natürlich ein leicht durchschaubares Spiel: als selbstverwaltetes Jugendzentrum hat das Epplehaus jedes Recht, eine eigene Türpolitik durchzusetzen. Wem das nicht gefällt, der*die muss eben zum Eppleplenum kommen und versuchen, diese zu ändern. Daraus einen Skandal stricken zu wollen, der der Stadt Tübingen Unterstützung „linksextremistischer“ Strukturen unterstellt, war dann wohl sogar Boris Palmer zu platt, der auf Mandics Brief nicht antwortete.

Als Antikorporierte Aktion Tübingen offenbaren sich uns in diesen Geschehnissen aber noch ganz andere Facetten der reaktionären Vernetzungen in Tübingen: schon lange ist bekannt, dass Mandic selbst der extrem rechten Burschenschaftsszene angehört und Mitglied der Freiburger DB-Burschenschaft „Saxo-Silesia“ ist. Auf dem Bild, welches er begleitend zu seinem offenen Brief postete, zeigt sich, wie eng rechte Strukturen inzwischen in Tübingen zusammenarbeiten:

Wir sehen, im Ranitzky in Tübingen, gleich am Marktplatz, die Gruppe, mit der Mandic an jenem Abend (6. Oktober 2017) unterwegs war. So ist links ein Mitglied der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia zu sehen, deren Alter Herr Mandic selbst ist; rechts sitzt Jonathan Rudolph, führender Kopf der IB Schwaben (siehe hierzu auch das Portrait Mandics bei Falsch Verbunden, unserer antikorporierten Partnerinitiative aus Freiburg).

AfD, Identitäre und Burschenschafter an einem Tisch, gemeinsam aktiv in einer zweifelhaften inszenierten Choreographie, die nicht zum verhofften Eklat führen konnte? Das passt ins aktuelle Zeitgeschehen. Erst kürzlich warnte die Gießener Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth im Deutschlandfunk vor den sich anbahnenden „unheiligen Allianzen“. Darin warnt sie unter anderem, die AfD sei „ein ganz großer Arbeitsmarkt für Burschenschafter geworden“:

Man kann […] durchaus sagen, dass es eine ganze Reihe von ideologischen Überschneidungen gibt und dass ganz viel von dem, was innerhalb der AfD diskutiert wird, schon sehr viel früher, eben unter anderem in DB-Burschenschaften diskutiert worden ist. […] In der Tat existieren doch da einige unheilige Allianzen zwischen Identitären und Burschenschaften. Also es ist tatsächlich so, dass sowohl von Seiten der Identitären die Burschenschaften als wichtige Bezugsgruppe gesehen werden. Also das heißt, in veröffentlichten Handreichungen identitärer Gruppen wird explizit darauf hingewiesen, man solle den Kontakt zu Burschenschaften suchen. Auf der anderen Seite ist es so, dass eine ganze Reihe von Burschenschaften quer verteilt durch die Bundesrepublik den Identitären ihre Türen öffnen, das heißt also Veranstaltungen, also ihre Häuser zur Verfügung stellen, und es dort zum Teil dann auch zu Treffen kommt, wo identitäre Mitglieder der Jungen Alternative, mit der der AfD, Mitglieder von Burschenschaften sich eben auf Burschenschaftshäusern treffen, also das heißt, die Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird, und zum Dritten, dass auch ganz gezielt der ideologische Schulterschluss gesucht wird.

Interessant ist dies vor allem, weil seitens der AfD offiziell nach wie vor ein Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Identitären Bewegung als einer vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Bewegung gilt. Dies scheint nun schon länger obsolet; etwa in Halle wirft das Kontrakultur-Haus eine ganze Reihe von Fragen auf, die beispielsweise in diesem Video anschaulich thematisiert werden.

Die Identitäre Bewegung wird somit immer mehr zum aktivistischen Arm der AfD (dies zeigte sich etwa bei der Bundestagswahl), Mandic war letztes Wochenende auf dem Wartburgfest der Deutschen Burschenschaft, in Österreich sieht es ähnlich düster aus. Und wer Mandic auf die Verbindung zwischen AfD und IB anspricht, erntet nur Hohn:

So ist die Lage in Tübingen. Nehmt gern Kontakt zu uns auf, wenn ihr etwas daran ändern wollt.